Digitale Archäologie

Damals

Es ist 19:44 am Mittwoch, den 10. April 1996. Im Radio dudeln Blümchen und Robert Miles oder Take That und Tic Tac Toe. Im Fernsehen läuft vermutlich Auf eigene Gefahr oder sowas, aber dafür hab ich keine Zeit, ich muss Backup machen. Das mache ich jede Woche, schließlich könnte meine Festplatte kaputt gehen, und es wäre doch schade um meine Hausaufgaben, Briefe und anderen Texte.

Mein Backup-Medium der Wahl ist eine 3,5" Diskette, schließlich bieten die mit 1440KB deutlich mehr (220KB!) Speicherplatz als die 5,25" Disketten (die DS, DD nur 1200KB fassen).

Damit möglichst viele Daten auf möglichst wenig Disketten gehen, verwende ich ARJ um sie zu komprimieren. Zur Sicherheit werden die Archive mit einem Passwort geschützt.

Heute

Fast-forward knappe 20 Jahre, es ist Mai 2015 und ich räume im Hobbyraum auf. Was ist denn das? Meine olle Backup-Diskette! Ich lagerte meine Backup-Medien schon immer besonders gut, aber das dieses "Schätzchen" noch lesbar wäre, hätte ich dann doch nicht gedacht. Die Diskette ist in Alufolie eingehüllt und steckt in einem kleinen Plastikbeutel mit Druckverschluss. Der Beutel wiederum steckt in einem zweiten Druckverschluss-Beutel mit Kieselgel. Glücklicherweise gehöre ich zu den Greisen die noch Hardware mit Diskettenlaufwerk besitzen (und 8" Disketten hab' ich auch noch, aber das nur nebenbei), ich kann die Diskette auslesen. Sie enthält verschiedene ARJ-Archive, je Textverarbeitungsprogramm ein Archiv. Heute haben wir keine Windows-Kisten mehr, aber arj gibt's ja auch für Linux. Nur: Wie war das Passwort? Brute force to the rescue, in weniger als einer Sekunde ist das Problem gelöst. Da haben wir also

Damit sich die jüngeren unter Euch ein Bild davon machen können, wie das aussah:

Word 5.5 (DOS)
Word 5.5

Word 6 (Windows)
Word 6 für Windows

AMi Pro
Ami Pro (ebenfalls Windows, aber viel früher als das dumme Word)

Das älteste Dokument in diesen Backups ist vom Juli 1989, das älteste selbst geschriebene Dokument vom 01.02.1992. Es ist der Katalog der Schallplattensammlung meiner Eltern.

Interessant ist die Verteilung der verwendeten Textverarbeitsungs-Programme:

Zeitstrahl

Retrospektive

Als nächstes muss ich wohl auf die Suche nach meinen C64-Daten gehen, wobei die Chance da etwas zu finden leider zu gering ist. Gerne hätte ich meine PrintFox-Dateien mal wieder gesehen, schon damals schrieb ich Hausaufgaben am Computer und druckte sie auf meinem Star LC-10 9-Nadeldrucker... So sah das früher mal aus, Kinder:

Printfox StartbildschirmStar LC-10 Bild 1


Geschrieben von Jan Niggemann in Computer und Technik am 12.05.2015